Preis für eine Auftragsarbeit berechnen: Aufpreis wie hoch?

Nikolas Ingerle / 22. Oktober 2026 / 10 Min. Lesezeit

Holzschnitt: eine teilweise aufgerollte Leinwandbahn neben einer kleinen bespannten Leinwand auf einer Tischstaffelei.
Inhalt7 Abschnitte
  1. 01Preis für eine Auftragsarbeit berechnen: wie gehst du vor?
  2. 02Wie viel Aufpreis ist für eine Auftragsarbeit üblich?
  3. 03Wie lege ich Revisionsgrenzen fest, bevor ich anfange?
  4. 04Wie hoch sollte die Anzahlung sein?
  5. 05Lohnt es sich, Auftragsarbeiten überhaupt anzunehmen?
  6. Häufige Fragen
  7. Fazit: Erst der Grundpreis, dann der Aufpreis, dann der Pinsel

Jemand schreibt dir, dass ihm dein Bild gefällt und fragt nach dem Preis für die Auftragsarbeit. Nur hätte er es gern in Blau, etwas größer und passend zur Wand im Wohnzimmer. Du freust dich, sagst zu und nennst denselben Preis wie für ein freies Werk. Mehr traust du dich nicht zu verlangen, denn du bist froh, dass überhaupt jemand fragt. Irgendwann überarbeitest du dieselbe Stelle zum wiederholten Mal, weil noch eine Kleinigkeit anders sein soll.

So sieht eine Auftragsarbeit aus, die du zu billig verkauft hast. Du hast deine eigene Arbeit unterbrochen und dich auf einen fremden Geschmack eingelassen. Am Ende hast du ein Einzelstück geliefert, das nur für diesen einen Menschen gemacht ist. Nichts davon taucht in der Zahl auf, die du mit der Künstlerfaktor-Formel ausrechnest. Dort fließen nur Maße und Faktor ein, dein Kunde kommt in der Formel nicht vor. Dafür gibt es den Aufpreis.

Preis für eine Auftragsarbeit berechnen: wie gehst du vor?

Der Grundpreis ist der Preis, den dasselbe Werk hätte, wenn du es aus eigenem Antrieb gemalt und in deine Preisliste gestellt hättest. Gleiche Größe, gleiche Technik, gleicher Faktor. Wie du diesen Preis herleitest, steht ausführlich im Artikel über den Grundpreis für ein freies Werk. Welcher Faktor zu dir passt, kannst du im Beitrag zu deinem eigenen Künstlerfaktor nachlesen.

Hier brauchst du nur das Ergebnis, eine Zahl in Euro. Alle Beispiele rechnen mit der Zahl aus dem Künstlerfaktor-Artikel: Ein Werk in 80 x 100 cm kommt dort bei Faktor 8 auf 1.440 Euro. Wünscht sich der Kunde ein Format, das du sonst nie malst, rechnest du den Grundpreis für genau diese Größe mit deiner gewohnten Formel aus.

Die Reihenfolge ist wichtig. Wer den Aufpreis heimlich in einen höheren Faktor packt, verliert den Überblick und kann dem Kunden nicht erklären, woher die Zahl kommt. Rechne deshalb getrennt: Grundpreis nach deiner Formel, Aufpreis als eigener Posten. So bleibt auch deine Preisliste für freie Werke stabil. Eine Auftragsarbeit kostet nie weniger als ein freies Werk gleicher Größe. Einen Rabatt für den Auftrag gibt es nicht, denn der Kunde bekommt mehr von dir als bei einem Bild von der Wand.

Wie viel Aufpreis ist für eine Auftragsarbeit üblich?

Wofür der Kunde den Aufpreis bezahlt

Der Aufpreis bezahlt drei Dinge, die bei einem freien Werk wegfallen. Sie sind zugleich dein Argument, wenn der Kunde nach dem Preis fragt. Du musst dich für den Aufpreis nicht entschuldigen, du kannst ihn begründen. Zum Beispiel so: „Ein Bild in dieser Größe kostet bei mir 1.440 Euro. Für Ihren Auftrag lege ich meine laufende Serie zur Seite, wir stimmen uns vorher ab und das Bild entsteht nur für Sie. Dafür kommen 20 Prozent dazu, zusammen sind das 1.728 Euro.“ Mit diesen drei Sätzen ist dein Preis erklärt. Sag sie vorher einmal laut und gewöhn dich an den Klang.

  1. Deine laufende Arbeit bleibt liegen. Die Serie, an der du gerade malst, wartet.
  2. Du lässt dich auf einen Menschen ein. Du führst Gespräche, nimmst seine Wünsche auf und übersetzt sie in deine Bildsprache.
  3. Am Ende steht ein Einzelstück, das nur für diese Person entsteht.

Die Staffel vom ersten Auftrag bis zum gefragten Namen

Wie hoch der Aufpreis ausfällt, hängt davon ab, wo du gerade stehst. Am Anfang sind 10 bis 40 Prozent Aufpreis nicht ungewöhnlich. Schon 10 Prozent kannst du mit den drei Gründen oben begründen, mehr darf es ruhig sein.

Sobald Leute von sich aus auf dich zukommen und nach einer Auftragsarbeit fragen, verschiebt sich deine Untergrenze nach oben. Ab diesem Punkt lautet meine Empfehlung: mindestens 20 Prozent Aufpreis. Mit regelmäßigen Einkünften aus deiner Kunst kannst du den Aufpreis später auf 40 Prozent hochschrauben.

Ganz oben stehen Künstler, die ohnehin ständig verkaufen. Sie malen vor allem, was ihnen Spaß macht, nehmen aber nur hin und wieder einen Auftrag an, weil ihnen das Motiv gefällt. Diese Künstler verlangen wahrscheinlich deutlich mehr. Aus der Branche hört man Werte um 60 Prozent, bei sehr gefragten Namen bis zu 80 Prozent. Das ist Hörensagen aus dem Markt und für deinen ersten Auftrag keine Richtschnur.

Deine Lage Aufpreis
Du fängst an und verkaufst noch unregelmäßig 10 bis 40 Prozent
Anfragen für Auftragsarbeiten kommen von selbst mindestens 20 Prozent, später 40 Prozent
Du bist stark gefragt und nimmst kaum Aufträge an in der Branche um 60 Prozent, bis zu 80 Prozent (Hörensagen)

Rechenbeispiel in Euro

Angenommen, dein Grundpreis für ein Werk in 80 x 100 cm liegt bei 1.440 Euro. Dann sieht die Staffel in Euro so aus:

Aufpreis Aufschlag in Euro Preis der Auftragsarbeit
10 Prozent 144 Euro 1.584 Euro
20 Prozent 288 Euro 1.728 Euro
40 Prozent 576 Euro 2.016 Euro
60 Prozent 864 Euro 2.304 Euro
80 Prozent 1.152 Euro 2.592 Euro

Such dir als Einsteiger eine Stufe aus, die du dem Kunden mit ruhiger Stimme erklären kannst. Wenn dir 40 Prozent beim ersten Auftrag den Hals zuschnüren, starte mit 20 Prozent. Bei 1.440 Euro Grundpreis sind das 288 Euro mehr für die Zeit, in der deine eigene Serie stillsteht.

Angebotsmuster zum Kopieren

So schlüsselst du den Preis im Angebot auf. Die Zahlen stammen aus dem Beispiel oben. Alles in eckigen Klammern füllst du selbst aus.

  • Original, [Technik], 80 x 100 cm, Motiv nach gemeinsamer Absprache: Grundpreis 1.440 Euro
  • Aufpreis Auftragsarbeit (20 Prozent): 288 Euro
  • Gesamtpreis: 1.728 Euro [Hinweis zur Umsatzsteuer nach deinem steuerlichen Status]
  • Im Preis enthalten: [Vorgespräch, Skizze, Farbprobe oder Foto vom Zwischenstand, je nachdem wie du arbeitest]
  • Korrekturrunden im Preis: [Anzahl], jede weitere Änderung kostet [Betrag] Euro
  • Anzahlung bei Auftragserteilung: 50 Prozent, also 864 Euro
  • Restzahlung bei Übergabe: 864 Euro
  • Fertigstellung: [Datum]

Privatkunden nennst du immer den Endpreis inklusive Umsatzsteuer. Bist du Kleinunternehmer, ist der Betrag im Angebot schon der Endpreis.

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Wie lege ich Revisionsgrenzen fest, bevor ich anfange?

Der teuerste Satz bei einer Auftragsarbeit lautet: nur noch eine Veränderung, bitte. Einmal gesagt, kommt er wieder. Jede Runde frisst Stunden, die in keinem Preis stehen. Deshalb setze bitte Standards für deine Revisionen, bevor du den ersten Strich machst.

Der Kunde will mitreden. Bei einem Stück, das er bestellt, ist das verständlich. Thema, Größe und vielleicht die Farbwelt bestimmt er, die Umsetzung bleibt bei dir. Halte das in den Abnahmekriterien fest. Zum Beispiel so: „Motiv und Farbwelt legen wir gemeinsam fest, Bildsprache und Pinselführung entscheide ich.“ So weiß der Kunde von Anfang an, dass du seine Idee in deine Bildsprache übersetzt.

Wie viele Korrekturrunden du einschließt, richtet sich nach deiner Technik. Bei Öl auf großer Leinwand ist eine Änderung meist aufwendiger als bei einer Zeichnung. Die Zahl der Runden und der Betrag für jede weitere Änderung stehen im Angebot, zusammen mit Motiv, Format und Abnahmekriterien (siehe oben). Wie du das in einen Vertrag bringst, liest du im Artikel zum Vertrag für eine Auftragsarbeit. Ohne Grenze wird aus deinem Aufpreis nach der dritten Änderungsrunde ein Stundenlohn, über den du lieber nicht nachdenkst. Leg deine Zahl fest, bevor du das Angebot schickst.

Wie hoch sollte die Anzahlung sein?

Mein Rat: Lass dir zu Beginn jedes Auftrags 50 Prozent vom Preis als Vorschuss zahlen. Warum? Dann hast du zumindest eine Aufwandsentschädigung, falls der Kunde beim zweiten Teil zickt. Im Beispiel von oben überweist der Kunde 864 Euro, bevor du die Leinwand grundierst. Die restlichen 864 Euro sind bei der Übergabe fällig.

Eine Anzahlung kannst du nur verlangen, wenn du sie vorher vereinbart hast. Höhe und Zahltermin gehören deshalb schriftlich ins Angebot und in den Vertrag.

Mit der Anzahlung wird aus einer netten Anfrage ein Auftrag, den dein Kunde ernst meint. Solange kein Geld geflossen ist, arbeitest du auf Vertrauen. Deshalb fängst du erst an, wenn die Anzahlung auf deinem Konto ist. Bis dahin malst du an deiner eigenen Serie weiter.

Wie die Rechnung für dein Werk aussieht und welche Angaben darauf gehören, findest du in der Rechnungsvorlage für Künstler.

Lohnt es sich, Auftragsarbeiten überhaupt anzunehmen?

Vielleicht siehst du in der Auftragsarbeit einen Stolperstein. Du willst malen, was dich selbst bewegt. Du fürchtest dich davor, zum Dienstleister für fremde Wohnzimmer zu werden. Trotzdem rate ich dir, gerade am Anfang Aufträge anzunehmen. Wenn du mit deiner Kunst Geld verdienen willst, muss ein Bild einem Menschen gefallen. Dieser Mensch muss es für sich wichtig finden.

Bei einer Auftragsarbeit erfährst du, was in deinem Kunden vorgeht. Du lernst, wie die Abwicklung läuft und wie du während der Arbeit mit ihm sprichst. Aktives Zuhören ist dabei dein Werkzeug.

Und du sparst dir Zeit, denn du merkst schnell, ob du mit diesem Typ Mensch überhaupt zusammenarbeiten willst. Wenn du irgendwann ständig verkaufst, nimmst du Aufträge seltener an und verlangst entsprechend mehr. Bis dahin ist jeder Auftrag bezahlte Marktforschung, solange der Aufpreis stimmt.

Häufige Fragen

Was mache ich, wenn der Kunde den Aufpreis zu hoch findet?

Biete ihm ein freies Werk aus deinem Bestand zum normalen Preis an. So bekommt er deine Kunst ohne den Mehraufwand eines Auftrags. Den Aufpreis selbst senkst du nicht, weil die drei Gründe dafür bestehen bleiben.

Gilt der Aufpreis auch bei kleinen Formaten?

Ja, der Prozentsatz bleibt gleich. Bei 300 Euro Grundpreis sind 20 Prozent nur 60 Euro, dabei kosten Gespräche und Abstimmung dich bei einem kleinen Bild ähnlich viel Zeit. Überleg dir deshalb einen festen Mindestaufpreis in Euro, unter den du nicht gehst. Angenommen, du legst ihn bei 100 Euro fest: Dann kostet das kleine Bild als Auftrag 400 Euro, ohne den Mindestbetrag wären es 360 Euro.

Ist eine Variante eines bestehenden Bildes auch eine Auftragsarbeit?

Ja. Auch wenn der Kunde nur ein vorhandenes Motiv in anderer Farbe oder Größe möchte, unterbrichst du deine Arbeit und stimmst dich mit ihm ab. Am Ende entsteht ein Einzelstück für diese Person. Du kannst dich hier eher am unteren Rand deiner Staffel bewegen, der Aufpreis fällt aber nicht weg.

Rechne ich Rahmen und Versand in den Aufpreis ein?

Nein, der Aufpreis bezieht sich nur auf den Grundpreis des Werks. Rahmen, Versand oder eine Anfahrt zur Übergabe weist du als eigene Posten aus, falls sie anfallen. So sieht der Kunde, wofür er was bezahlt.

Fazit

Erst der Grundpreis, dann der Aufpreis, dann der Pinsel

Du rechnest eine Auftragsarbeit immer in zwei Schritten. Erst kommt der Grundpreis mit deiner gewohnten Formel, dann der Aufpreis als eigener Posten. Am Anfang sind das mindestens 10 Prozent, sobald Anfragen von selbst kommen mindestens 20 Prozent. Vor dem ersten Strich legst du die Zahl der Korrekturrunden fest und vereinbarst 50 Prozent Anzahlung. Dann ist jeder Auftrag bezahlte Marktforschung, weil du deinen Kunden kennenlernst. Der Aufpreis gleicht zumindest einen Teil der Zeit aus, die dich das kostet. Wie du all das schriftlich festhältst, liest du im Artikel zum Vertrag für eine Auftragsarbeit.

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