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Aus der Kartei / Im Atelier

Paulina Vogt Orientierung
aus Erde und Stein.

Paulina Vogt malt mit Erde, Steinen und alten Pigmenten. Die Künstlerin aus Laufenburg beschäftigt sich mit den Etruskern und ihren Vorstellungen von Orientierung. Ihre Bilder sollen daran erinnern, der eigenen inneren Stimme zu vertrauen.

Ein Porträt von
9 Minuten Lesezeit · Mit Künstlergespräch ·

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Paulina Vogt sitzt in ihrem Atelier vor blauen Gemälden, im Vordergrund liegen große Pinsel
Paulina Vogt im Atelier. Foto: Paulina Vogt.

Paulina Vogt / Die künstlerische Idee

Paulina Vogt ist Künstlerin in Laufenburg. In ihrer Malerei beschäftigt sie sich damit, was Menschen Orientierung und inneren Halt geben kann. Natur und Geschichte gehören für sie zusammen. Ihre Auseinandersetzung mit den Etruskern liefert Gedanken, Formen und Materialien, die sie auf die Fragen eines heutigen Lebens bezieht.

Für Vogt ist die Verbindung zur Geschichte auch eine materielle. Sie verwendet nach eigener Angabe Erde und Steine von etruskischen Fundorten. „Die natürlichen Pigmente haben ihre eigenen Farbtöne, Strukturen und Unregelmäßigkeiten“, schreibt sie. Ein Streifenachat kann die Mitte markieren. Eine Reihe von Steinen kann verschiedene Bildzonen miteinander verbinden.

Ein Gespräch wird zum Ausgangspunkt einer Serie

Als Vogt die Serie „Im Licht des Nordsterns“ entwickelte, stand für sie fest, dass der Lituo darin einen Platz bekommen sollte. Die Symbolik dieses Stabs hatte sie seit einem Gespräch mit Luciano Vagni beschäftigt. Sie verbindet ihn mit dem Gedanken innerer Orientierung. Der Lituo ist der Stab der etruskischen Seher.

Auch ihre Serie „Auf der Suche nach dem Glück“ beschäftigt sich mit Orientierung und innerer Zufriedenheit. Vogt fragt, was im Leben wichtig ist und was Halt gibt. „Im Licht des Nordsterns“ handelt vom Vertrauen in den eigenen Weg. „Auf der Suche nach dem Glück“ fragt danach, was inneren Halt gibt.

Im Atelier / Die Arbeitsweise

Erde und Steine von etruskischen Fundorten

Erde und Steine haben für Vogt eine Bedeutung, die über ihren Farbton hinausgeht. Sie beschreibt sie als Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nach ihrer eigenen Angabe stammen die Materialien von Orten, an denen die Etrusker gelebt haben. Ihre Herkunft gehört zu dem, was sie mit dem fertigen Bild vermitteln möchte.

Gleichzeitig bestimmt das Material die sichtbare Oberfläche. Natürliche Pigmente bringen unterschiedliche Farbtöne und Unregelmäßigkeiten mit. Steine haben eigene Konturen, Bänder und Strukturen. Vogt arbeitet mit diesen Unterschieden und ordnet sie innerhalb einer Komposition an.

In ihren Werkangaben nennt sie auch über 70 Jahre altes Rollgold. Für „Der innere Kompass“ verwendet sie über 100 Jahre alte lichtechte Pigmente. Die kleinen hölzernen Halbkugeln auf diesem Bild sind von der Granulation etruskischen Schmucks angeregt, einer Goldschmiedetechnik mit feinen punktförmigen Erhebungen.

Auf einer Aufnahme arbeitet Vogt mit einem Pinsel an einer Fläche auf dem Tisch. Im Hintergrund stehen zahlreiche Gefäße mit Material. Eine andere Aufnahme zeigt sie an einem blauen Bild mit heller Mitte.

„Die natürlichen Pigmente haben ihre eigenen Farbtöne, Strukturen und Unregelmäßigkeiten.“Paulina Vogt
Paulina Vogt arbeitet an einem blauen Gemälde mit einer hellen kreisförmigen Mitte
Paulina Vogt bei der Arbeit an einem Gemälde. Foto: Paulina Vogt.
Paulina Vogt bearbeitet eine Bildfläche auf dem Tisch; im Hintergrund stehen Materialgefäße
Arbeit an Farbe und Oberfläche im Atelier. Foto: Paulina Vogt.

Am Werk gesehen

Eine Spirale gibt dem Blick eine Richtung

„Der innere Kompass“ ist von dunklen und helleren Blautönen bestimmt. Die Spirale entwickelt sich um einen leuchtenden Mittelpunkt. Linien, Strukturen und die wechselnden Farbwerte führen den Blick durch die Fläche. Nach außen wird die Umgebung dunkler. Die Mitte behält dadurch eine besondere Helligkeit.

Vogt verbindet dieses Bild mit dem Wunsch, der eigenen inneren Stimme wieder mehr zu vertrauen. Sie möchte, dass es im Alltag daran erinnert, den persönlichen Weg ernst zu nehmen. Der Blick kann ihren Windungen folgen und findet in der hellen Mitte einen Bezugspunkt.

Paulina Vogt, Der innere Kompass, vollständige Werkansicht mit blauer Spirale und heller Mitte
Paulina Vogt, „Der innere Kompass“, Acryl und Mixed Media · 100 × 120 × 4 cm.

Am Werk gesehen

Sechzehn Zonen und eine gemeinsame Mitte

„Die Mitte des Urvertrauens“ ist heller und von warmen Erdtönen bestimmt. Im Zentrum befindet sich eine Anordnung von Steinen. Die Fläche entwickelt sich von dieser Mitte aus nach außen. Die einzelnen Steine setzen erkennbare Akzente innerhalb einer Oberfläche, deren Farben und Strukturen ineinander übergehen.

Vogt beschreibt die Etrusca Disciplina als Grundlage ihrer Komposition. Aus ihrer Beschäftigung mit der dort beschriebenen Himmelsordnung entwickelte sie sechzehn Strahlen, die von einer gemeinsamen Mitte ausgehen. In jede Zone setzte sie einen Streifenachat. Sie verbindet diese Anordnung mit der Vorstellung, dass jeder Bereich eine eigene Bedeutung hat und zugleich zu einem größeren Zusammenhang gehört.

An der Gestaltung lässt sich diese Idee genau verfolgen. Die einzelnen Achate unterscheiden sich sichtbar voneinander. Ihre gemeinsame Anordnung gibt dem Bild einen Mittelpunkt, ohne ihre Unterschiede aufzuheben.

Zur Gestaltung gehört auch goldene Schrift mit den Namen Tinia, Uni und Catha. Paulina benennt sie als etruskische Gottheiten und schreibt ihre Namen in etruskischer Schreibrichtung von rechts nach links.

Paulina Vogt, Die Mitte des Urvertrauens, vollständige Werkansicht in warmen Erdtönen mit angeordneten Steinen
Paulina Vogt, „Die Mitte des Urvertrauens“, Acryl und Mixed Media · 103 × 73 cm.

Am Werk gesehen

Zwei Bildbereiche finden ihr Gleichgewicht

Bei „Die Rückkehr zum Ursprung“ liegt eine Achatscheibe in der Mitte der Fläche. Helle und dunklere Bereiche treffen um sie herum aufeinander. Das Querformat gibt diesen Farbflächen Raum, sich zu den Seiten auszudehnen. Die Steinscheibe setzt dazu einen klar begrenzten Akzent.

Vogt erläutert ihre Bildidee über einen Lebensrhythmus, den sie mit ihrer Beschäftigung mit den Etruskern verbindet. Eine Hälfte widmet sie gedanklich der Arbeit und den täglichen Aufgaben. Die andere steht für Ruhe und Gemeinschaft. Aus dieser Vorstellung entwickelte sie die beiden Bildbereiche.

Gestalterisch kommt es darauf an, dass die Zonen ineinanderfließen. Ihre Grenzen sind weich und ihre Farben greifen ineinander. Die Achatscheibe gibt dem Blick dabei eine feste Stelle.

Paulina Vogt, Die Rückkehr zum Ursprung, vollständige Werkansicht mit heller und erdfarbener Fläche und Achatscheibe
Paulina Vogt, „Die Rückkehr zum Ursprung“, Acryl und Mixed Media · 83 × 103 cm.

Paulina Vogt im Atelier

Paulina Vogt in ihrem Atelier vor mehreren blauen Gemälden
Paulina Vogt mit Arbeiten im Atelier. Foto: Paulina Vogt.

Paulina Vogt in eigenen Worten

Sechs Fragen aus dem Atelier

Über Ideen, Arbeitsweise und die Gedanken hinter den Werken.

01

Wann stand fest, dass der Lituo Teil deiner Malerei wird?

Als ich mich entschied, die Serie „Im Licht des Nordsterns“ zu entwickeln, war mir sofort klar, dass ich den Lituo in einem meiner Kunstwerke aufgreifen möchte. Seine starke Symbolik hatte mich seit dem Gespräch mit Luciano Vagni fasziniert und passte für mich wunderbar zum Gedanken der inneren Orientierung, der im Mittelpunkt dieser Serie steht.

02

Wie entstand die Komposition von „Die Mitte des Urvertrauens“?

Die Grundlage meiner Komposition ist die Etrusca Disciplina, die überlieferte Lehre der Etrusker. Sie teilten den Himmel in sechzehn Zonen ein, denen jeweils bestimmte Gottheiten zugeordnet waren. Mich faszinierte besonders die Vorstellung, dass jeder Bereich seine eigene Bedeutung hat und dennoch alles miteinander verbunden ist.

Diese Himmelsordnung habe ich mit sechzehn Strahlen aufgegriffen, die von einer gemeinsamen Mitte ausgehen. In jede Zone habe ich einen einzigartigen Streifenachat gesetzt. So entstand für mich ein Sinnbild für Harmonie und Urvertrauen: Alles hat seinen eigenen Platz und ist zugleich Teil eines größeren Ganzen.

03

Wie hast du den Rhythmus in „Die Rückkehr zum Ursprung“ sichtbar gemacht?

Inspiriert hat mich die Vorstellung, dass die Etrusker ihren Tag Überlieferungen zufolge in zwei Hälften teilten. Die erste war der Arbeit und den täglichen Aufgaben gewidmet, die zweite der Familie, der Gemeinschaft und den Freuden des Lebens.

Diesen Rhythmus habe ich durch zwei Bildbereiche sichtbar gemacht. Der obere, hellere Bereich steht für die aktive Tageshälfte, der untere, dunklere für Ruhe und Gemeinschaft. Beide fließen ineinander und erinnern daran, wie wichtig ein natürliches Gleichgewicht im Leben ist. Die Achatscheibe in der Mitte symbolisiert dabei die Rückkehr zu unserem Ursprung.

04

Was bedeuten dir die natürlichen Materialien?

Für mich tragen diese Materialien ein Stück Geschichte in sich. Wenn ich Erde und Steine von Orten verwende, an denen die Etrusker vor über 2.000 Jahren gelebt haben, entsteht eine ganz besondere Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die natürlichen Pigmente haben ihre eigenen Farbtöne, Strukturen und Unregelmäßigkeiten, die jedem Kunstwerk einen unverwechselbaren Charakter geben. So wird Geschichte für mich auf eine ganz besondere Weise wieder lebendig.

05

Was soll „Der innere Kompass“ im Alltag bewirken?

Ich wünsche mir, dass das Kunstwerk den Betrachter jeden Tag daran erinnert, auf seine eigene innere Stimme zu hören und seinem persönlichen Weg zu vertrauen. Manchmal verlieren wir die Verbindung zu dem, was uns wirklich wichtig ist. „Der innere Kompass“ soll dazu einladen, kurz innezuhalten, sich auf das Wesentliche zu besinnen und den eigenen Weg mit Klarheit und Vertrauen zu gehen.

06

Was verbindet „Im Licht des Nordsterns“ und „Auf der Suche nach dem Glück“?

Beide Serien beschäftigen sich mit der Suche nach Orientierung, innerer Zufriedenheit und dem, was uns im Leben wirklich wichtig ist. In „Im Licht des Nordsterns“ geht es darum, den eigenen inneren Kompass zu entdecken und seinem Weg zu vertrauen. „Auf der Suche nach dem Glück“ führt diesen Gedanken weiter und fragt danach, wo wir wahres Glück finden und was uns inneren Halt gibt.

Beide Serien sind von der Lebensphilosophie und dem Wissen der Etrusker inspiriert. Mich fasziniert, wie aktuell viele ihrer Gedanken auch nach über 2.000 Jahren noch sind und wie viel wir daraus für unser heutiges Leben mitnehmen können.

Grundlage dieses Porträts sind die schriftlichen Antworten von Paulina Vogt für die Reihe „Aus der Kartei“.

Ausstellungen und Veröffentlichungen

Für dieses Porträt hat Paulina Vogt folgende Stationen genannt. Ihre kommende Ausstellung „CONNECTED – Auf den Spuren der Verbundenheit“ kündigt sie für den 5. November bis 5. Dezember 2026 im Jordan Campus in Waldshut-Tiengen an. Dort zeigt sie erstmals öffentlich ihre neue Serie „Auf den Spuren der Harmonie“.

  • 4. Mai bis 1. Juni 2023: „Etrusker“, Museum „Rasna“, Perugia, Italien.
  • 30. Juli bis 30. September 2023: „Die Kraft des Wassers, die Energie der Erde“, Buch & Café am Andelsbach, Laufenburg.
  • 11. Mai bis 8. Juni 2025: „Heimat“, Gemeinschaftsausstellung mit vier Künstlern des Kunstvereins Hochrhein, Villa Berberich, Bad Säckingen.
  • Juli 2025: Porträt im Buch „Frauenperspektiven Freiburg | Südschwarzwald“, Panima Verlag. Darin erzählt sie auch vom Krai Woog Gumpen, einem ihrer Lieblingsorte im Südschwarzwald.
  • 4. bis 18. September 2026: „Die Kraft der Stille“, Einzelausstellung bei Gerteis Betten, Laufenburg.
  • 2. Januar 2026: Gast im Podcast „Next Level Leadership“ von Julia Peters, Folge 235: „Im Licht des Nordsterns: Orientierung finden 2026 dank Kunst, Stille & Purpose mit Paulina Vogt“.
  • 5. November bis 5. Dezember 2026: „CONNECTED – Auf den Spuren der Verbundenheit“, Einzelausstellung im Jordan Campus, Philipp-Reis-Straße 2, Waldshut-Tiengen. Vernissage am 5. November um 18:30 Uhr.

Weitersehen / Aktuelle Arbeiten von Paulina Vogt

Die Werke in der Kartei

Paulina Vogt ist Teil der Ikonenschmiede-Kartei. Die Übersicht zeigt ihre zuletzt veröffentlichten Werke. Neue Arbeiten rücken automatisch nach.

Paulina Vogt in der Kartei ↗

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