Architektur der Ewigkeit
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Persephone wird in die Unterwelt hinabgerissen und findet gerade dort ihre wahre Gestalt. Diesen Mythos nimmt Jonas Eideloth in der Skulptur „Architektur der Ewigkeit“ auf. Den Anstoß gab ein Satz von Nietzsche: Um aus dem „Vielleicht“ herauszukommen, müsse man Gast in der Unterwelt gewesen sein und an Persephones Tisch gesessen haben. Als Eideloth diesen Satz las, wollte er, dass genau dort der Ursprung der Arbeit liegt.
Mit dem „Vielleicht“ verbindet er ein Leben an der Oberfläche: moralisch korrekt, kulturell informiert und innerlich unentschieden. Ein solches Leben sichert sich ständig ab, um niemals wirklich bestehen zu müssen. Persephone dagegen wird mit absoluter Notwendigkeit in die Tiefe gerissen. Erst im Reich des Todes verliert das Leben seine Illusionen. Die Gäste an ihrem Tisch haben nach Eideloths Lesart den eigenen Abgrund gesehen und sind gezwungen, sich neu zu formen.
Aus diesem Moment heraus ist die Figur in weißem Marmor entstanden. Ihr Körper ist aus Gegensätzen zusammengesetzt: Kugeln und Kegel treffen auf organische Partien, glatte Flächen auf rohe Brüche, altmeisterlich ausgeführte Details auf eine radikale Fragmentierung. In der Brust liegt, fast wie ein Fremdkörper, eine Kugel. Sie gibt der Figur eine innere Ordnung und lenkt den Blick auf ihren unverletzten Kern.
Die Wirkung der Skulptur beschreibt Eideloth als Lust am Aufbau. Alles, was tief erlebt und verstanden ist, kann Teil der eigenen Schöpfung werden. Je tiefer das Verstehen reicht, desto größer lässt sich gestalten. Etwas wirklich Großes darf dabei über die eigene Zeit hinauswachsen. In der Skulptur steckt die Gewissheit, dass aus einem voll gelebten Leben etwas entsteht, auf dem andere weiterdenken und weiterbauen können. Ein großes Leben und ein großes Werk gehören darin zu derselben Schöpfung.
Deshalb ist der Körper zusammengesetzt wie ein Bauwerk. Unterschiedliche Elemente bauen aufeinander auf und bilden ein Ganzes, so wie sich ein Leben aus vielen Teilen zu einer Einheit formt. Dieses Leben wird im Ganzen wieder zu einem Element, auf dem nächste Generationen aufbauen.
„Architektur der Ewigkeit“ zeigt Ewigkeit als ein Bauwerk, an dem Generation um Generation weiterbaut.
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