16. April 2026

Künstler-Website erstellen: Die Checkliste

Nikolas Ingerle
Nikolas Ingerle 9 Min Lesezeit
Künstler-Website erstellen: Die Checkliste

TL;DR: Deine Künstler-Website braucht genau fünf Seiten: Portfolio, Über mich, Kontakt, eine aktuelle Serie und eine Preisliste als Download. Kein Shop, keine Spielereien, kein WordPress-Theme mit 47 Funktionen. Mobile first, schnelle Ladezeiten, Bilder mit SEO-optimierten Dateinamen und Alt-Texten. Fertig.

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Warum du als Künstler eine eigene Website brauchst

Eine Künstler-Website erstellen bedeutet, dir das einzige Stück Internet zu bauen, das dir wirklich gehört. Um diesen ersten Schritt richtig zu machen, brauchst du kein technisches Vorwissen. Du brauchst Klarheit darüber, was deine Website leisten soll.

Du hast Instagram, vielleicht eine Facebook-Seite, vielleicht sogar ein Profil auf irgendeiner Kunstplattform. Warum also noch eine eigene Website? Weil dir nichts davon gehört. Instagram kann morgen deinen Account sperren. Die Kunstplattform kann ihre Bedingungen ändern. Deine Website ist dein digitales Zuhause, der Ort, an den du alle anderen Kanäle hinführst.

In meiner Arbeit mit über 600 Künstlern in der Ikonenschmiede-Akademie sehe ich zwei Extreme: Entweder gar keine Website. Oder eine Website, die vor drei Jahren mal jemand gebaut hat und die aussieht, als hätte man ein Möbelhaus im Internet eröffnet. Beide Varianten kosten dich Verkäufe. Jeden Tag.

Das Gute ist: Eine Künstler-Website muss nicht kompliziert sein. Sie muss nicht teuer sein. Sie muss nur die richtigen Dinge tun. Und genau das schauen wir uns jetzt an, Punkt für Punkt.

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Die 5 Seiten, die deine Website braucht

Um eine Künstler-Website zu erstellen, die tatsächlich verkauft, reduziere auf diese fünf Seiten und mach jede einzelne richtig.

Checkliste: Must-haves für die Künstler-Website

1. Portfolio: Zeig deine beste Arbeit

Nicht alles. Nicht jedes Bild, das du je gemalt hast. Deine 15 bis 25 stärksten Werke, professionell fotografiert, großformatig dargestellt. Jedes Bild mit Titel, Technik, Maßen und Verfügbarkeit.

Der häufigste Fehler: Zu viele Bilder. Wenn du 200 Werke auf deiner Website hast, sieht das nicht nach Produktivität aus. Es sieht nach Resterampe aus. Kuratiere. Zeig nur das, was die Qualität hat, für die du bekannt sein willst.

Sortiere dein Portfolio nach Serien, nicht chronologisch. Serien zeigen, dass du konzeptionell arbeitest. Chronologie zeigt nur, dass du schon lange malst.

2. Über mich: Die wichtigste Seite deiner Website

Das ist nicht die Seite, die du am Ende irgendwann mal schreibst. Das ist die Seite, die die meisten Besucher als erstes oder zweites anklicken. Sie wollen wissen: Wer ist diese Person? Kann ich ihr vertrauen? Ist das ernst gemeint?

Was auf die Über-mich-Seite gehört:

  • Ein gutes Foto von dir (nicht von deiner Katze)
  • Deine Geschichte: Nicht dein Lebenslauf, sondern warum du Kunst machst und was du damit bewirken willst
  • Deine Intention: Was sollen Menschen fühlen, wenn sie deine Kunst sehen?
  • Social Proof: Ausstellungen, Presse, Sammlungen, verkaufte Werke

Schreib nicht in der dritten Person („Die Künstlerin wurde 1985 geboren…“). Du bist nicht die Queen. Schreib „Ich“. Direkt. Persönlich.

3. Kontakt: Mach es einfach

Ein Kontaktformular. Eine E-Mail-Adresse. Fertig. Kein Captcha, das aussieht wie ein IQ-Test. Keine zehn Pflichtfelder. Name, E-Mail, Nachricht.

Bonus: Schreib einen Satz dazu, der die Hemmschwelle senkt. Etwas wie „Du hast eine Frage zu einem Werk oder möchtest ein Auftragswerk besprechen? Schreib mir. Ich antworte persönlich.“ Das klingt nach wenig, aber es macht einen enormen Unterschied. Die meisten Menschen trauen sich nicht, einen Künstler anzuschreiben. Sie denken, sie stören. Nimm ihnen diese Angst.

4. Aktuelle Serie: Was gerade passiert

Eine Seite, die zeigt, woran du aktuell arbeitest. Das signalisiert: Hier passiert etwas. Dieser Mensch ist aktiv.

Zeig hier auch den Entstehungsprozess. Ein, zwei Bilder vom Atelier. Eine kurze Erklärung, was dich zu dieser Serie inspiriert hat. Das ist Content, der nicht nur auf der Website wirkt, sondern auch in deinem Newsletter oder auf Instagram wiederverwendet werden kann.

Aktualisiere diese Seite regelmäßig. Wenn dort seit zwei Jahren dasselbe steht, denkt der Besucher: Diese Person hat aufgehört. Und geht weiter.

5. Preisliste als Download gegen E-Mail

Kein öffentlicher Onlineshop. Keine Warenkorb-Funktion. Stattdessen eine Preisliste als PDF-Download, den Besucher gegen ihre E-Mail-Adresse erhalten. Warum?

  • Du baust eine E-Mail-Liste auf. Das ist dein wertvollstes Asset nach deiner Kunst selbst.
  • Du filterst ernsthafte Interessenten. Wer seine E-Mail gibt, hat echtes Interesse.
  • Du kontrollierst den nächsten Schritt. Statt „In den Warenkorb“ heißt es „Schreib mir für dieses Werk“. Persönlicher Kontakt statt anonymem Checkout.

Aus der Praxis: Eine Ölmalerin aus meiner Akademie hatte monatelang null Anfragen über ihre Website. Wir haben gemeinsam eine Preisliste als PDF erstellt: 12 verfügbare Werke, Preise, Maße, je ein Foto. Innerhalb von sechs Wochen hatte sie 43 E-Mail-Adressen gesammelt und drei Werke verkauft. Die Preisliste war der Auslöser, weil sie dem Interessenten einen konkreten nächsten Schritt gab.

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Mobile First: 80% deiner Besucher kommen vom Handy

Um sicherzustellen, dass deine Website nicht unsichtbar bleibt, teste sie auf dem Handy. Nicht auf deinem 27-Zoll-Monitor. Auf dem Handy. Denn dort schauen die meisten Menschen deine Seite an, direkt nachdem sie auf Instagram deinen Link angeklickt haben.

Was auf dem Handy funktionieren muss:

  • Bilder laden schnell und sind groß genug, um die Kunst zu erkennen
  • Text ist lesbar ohne Zoomen
  • Navigation ist mit dem Daumen bedienbar
  • Kontakt ist in maximal zwei Klicks erreichbar

Ein einfacher Test: Gib einem Freund dein Handy und bitte ihn, dein teurstes verfügbares Werk zu finden und dich zu kontaktieren. Wenn das länger als 30 Sekunden dauert, musst du etwas ändern.

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Bild-SEO: Damit Google deine Kunst findet

Um deine Bilder in der Google-Suche sichtbar zu machen, benenne sie sinnvoll und schreibe Alt-Texte. Google kann Bilder nicht sehen. Google liest Dateinamen und Alt-Texte.

So machst du es richtig:

  • Dateiname: „abstrakte-malerei-innere-landschaft-acryl-100×80.jpg“ statt „IMG_4738.jpg“
  • Alt-Text: „Abstrakte Malerei Innere Landschaft, Acryl auf Leinwand, 100x80cm von [dein Name]“
  • Bildgröße: Maximal 300 KB pro Bild. Nutze WebP oder komprimiertes JPEG. Große Dateien töten deine Ladezeit.

Das dauert pro Bild zwei Minuten. Und es sorgt dafür, dass deine Werke in der Google-Bildersuche auftauchen. Kostenlose Sichtbarkeit. Jeden Tag. Ohne Werbung. Eine vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du in unserer SEO-Checkliste für Künstler.

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Ladezeit: Schnell oder unsichtbar

Um deine Ladezeit unter die kritische Drei-Sekunden-Grenze zu bringen, konzentrier dich auf drei Stellschrauben. Denn wenn deine Seite länger als drei Sekunden braucht, springt laut Google-Daten jeder zweite Besucher ab.

Drei Dinge, die deine Ladezeit zerstören:

  1. Unkomprimierte Bilder. Ein einzelnes Foto mit 8 MB ist ein Todesurteil für deine Ladezeit. Komprimiere alles auf maximal 300 KB.
  2. Zu viele Plugins/Widgets. Jedes Plugin lädt eigenes CSS und JavaScript. Social-Media-Feeds, Chatbots, Animations-Bibliotheken. Brauchst du das alles? Wahrscheinlich nicht.
  3. Schlechtes Hosting. Wenn du 3 Euro im Monat für Hosting zahlst, bekommst du auch eine 3-Euro-Ladezeit. Investiere 10 bis 20 Euro im Monat in vernünftiges Hosting.

Teste deine Seite auf pagespeed.web.dev. Alles unter 70 Punkte auf Mobil ist ein Problem. Alles über 90 ist gut.

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Warum kein Onlineshop?

Weil Kunst kein Produkt ist, das man in den Warenkorb legt wie ein Paar Socken. Ein Kunstkauf ist eine emotionale Entscheidung. Die braucht persönlichen Kontakt, Vertrauen und oft auch ein Gespräch.

Ein Shop suggeriert: Hier ist alles austauschbar und jederzeit verfügbar. Du willst das Gegenteil vermitteln. Exklusivität, persönliche Verbindung und den Eindruck, dass jedes Werk einen besonderen Platz bei einem besonderen Menschen finden soll.

Die Ausnahme: Wenn du Drucke oder Merchandise verkaufst, kann ein einfacher Shop Sinn machen. Aber für Originalwerke? Persönlicher Kontakt. Immer.

Erfahrungswert: Ich kenne Künstler, die einen Shop auf ihrer Website hatten und null Verkäufe darüber generiert haben. Dieselben Künstler haben nach dem Umstieg auf „Schreib mir für dieses Werk“ plus Preislisten-Download mehr verkauft als je zuvor. Weil der persönliche Kontakt die Hemmschwelle senkt und Vertrauen aufbaut, das kein Checkout-Prozess ersetzen kann.

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FAQ: Künstler-Website erstellen

Welches System sollte ich für meine Künstler-Website nutzen?

WordPress mit einem schlanken Theme oder ein Website-Baukasten wie Squarespace. Beides funktioniert. Wichtiger als das System ist, dass du es selbst pflegen kannst, ohne jedes Mal einen Entwickler anrufen zu müssen.

Brauche ich eine eigene Domain?

Ja. „deinname.de“ oder „deinname-kunst.de“. Keine Subdomain wie „deinname.wix.com“. Eine eigene Domain kostet 10 bis 15 Euro pro Jahr und ist die Grundlage für jede professionelle Online-Präsenz.

Wie viel sollte eine Künstler-Website kosten?

Wenn du sie selbst baust: 100 bis 200 Euro pro Jahr (Domain + Hosting). Wenn du sie bauen lässt: 500 bis 2000 Euro einmalig plus laufende Kosten. Mehr ist selten nötig.

Soll ich Preise auf meiner Website zeigen?

Nicht öffentlich auf der Seite, aber als Download gegen E-Mail. So filterst du ernsthafte Interessenten und baust gleichzeitig deine E-Mail-Liste auf. Mehr über kluge Preisstrategien liest du in unserem Artikel über Kunst verkaufen.

Wie oft sollte ich meine Website aktualisieren?

Mindestens einmal im Monat. Neue Werke ins Portfolio, aktuelle Serie aktualisieren, verkaufte Werke als „verkauft“ markieren. Eine lebendige Website signalisiert: Hier ist jemand aktiv und ernst zu nehmen.

Brauche ich einen Blog auf meiner Künstler-Website?

Nicht zwingend am Anfang. Wenn du regelmäßig schreiben kannst und willst, ja. Ein Blog hilft bei SEO und zeigt Expertise. Aber ein verwaister Blog mit dem letzten Eintrag von vor 18 Monaten schadet mehr als er nützt. Starte erst einen Blog, wenn du weißt, dass du ihn pflegen wirst.

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Deine Website ist der Anfang, nicht das Ziel

Die meisten Künstler behandeln ihre Website wie ein einmaliges Projekt. Einmal bauen, dann vergessen. Aber deine Website ist ein lebendiges Werkzeug. Sie verändert sich mit deiner Kunst, mit deinen Serien, mit deinen Preisen. Wer sie pflegt, baut sich über Monate und Jahre eine Sichtbarkeit auf, die kein Social-Media-Algorithmus wegnehmen kann.

Zitat Nikolas Ingerle über die Künstler-Website

Fünf Seiten. Saubere Bilder. Klare Kontaktmöglichkeit. Das reicht.

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